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	<title>Tom Kleinrensing</title>
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		<title>Personal Widgets</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Feb 2012 12:31:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf dem Weg zum Tchibo-Shop, Sonderangebot Fleece-Jacke für den modebewussten, Sport adaptiven Business-schwarz verliebten Herrn im Home-Office. Hat nicht gepasst, die falsche Mentalgröße. Aber für Schwiegermama ein vorösterliches Weihnachtsgeschenk gefunden. Sondereditions-CD mit Aufnahmen von Knefs Hildegard: `Für Dich soll es rote Ziegelsteine regnen` , nebst einem Gutschein über eine Tasse Espresso, beim Kauf von einem Kilo Crema [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf dem Weg zum Tchibo-Shop, Sonderangebot Fleece-Jacke für den modebewussten, Sport adaptiven Business-schwarz verliebten Herrn im Home-Office. Hat nicht gepasst, die falsche Mentalgröße. Aber für Schwiegermama ein vorösterliches Weihnachtsgeschenk gefunden. Sondereditions-CD mit Aufnahmen von Knefs Hildegard: `Für Dich soll es rote Ziegelsteine regnen` , nebst einem Gutschein über eine Tasse Espresso, beim Kauf von einem Kilo Crema Deluxe oder wahlweise einer Garnitur Bama-Unterwäsche.<span id="more-616"></span><br />
7,99 € leichter, inklusive einem aus kolumbianischen Kinderhand-Bohnen versauboilerten Espresso und warmen beigen Unterzeug unterm Arm, verlasse ich den Kaffeebohnen-Trendshop. Im Tabakladen nahe dran einer älteren Dame vor mir zu erklären, dass der zur Reinigung vorgesehene Fetzen bei 90 Grad gewaschen sich hervorragend als Kopfbedeckung für den gefestigten violett-grauen Kopfpudel oder unbehandelt als Kleiderspende für mittellose Faschingsvereine eignen würde. Hab ihr die Bama-Slogilonglongs gegeben. Sie hat mich dann  vorgelassen.<br />
10 Minuten mir den Unterschied der Inhaltsstoffe von meiner Zigarettenmarke im Vergleich zu Gouloises in Maispapier erklären lassen und der Diskussion, ob ich eine inhalierende Geschmacksprobe wirklich nur außerhalb des Geschäftes durchführen dürfe, durch Rückzug vereitelt.<br />
Im Drogerie-Markt meines Vertrauens nach Augen-Serum gesucht, gefunden, ausprobiert und den kleinen Roller markiert, um morgen nicht wieder einen Neuen aufmachen zu müssen, der Umwelt zur Liebe. Danach bei Douglas einen Concours der männlichen Düfte eingeschlagen, von Cool Waters über Black Mamba bis hin zu Latschenkiefer Alpin, Messner Edition. Verlasse den Laden mit einer sechs Zonen-Exploration die meiner Umwelt in die gerafften Nüstern steigt und verbale Übergriffe der flakonösen Verkaufsmodels im Ansatz erstickt. An der Metzger-Schlachtbank gegenüber den Probierteller der echt original italienischen Salami aus Halberstadt leer gegessen und die Käsetheke von den weglaufenden Probierbroken des blau verschimmelten Fromage du Cul des Vaches unter Protest der Verkäuferin mit den Zähnen beräumt. Hab ihr die Spieße zurückgegeben und auf die Auszahlung vom Pfand zu Gunsten von Borderline-Ziegen in der Auvergne verzichtet.<br />
An der Ecke das Feng Shui. In der angesagtesten Sushi-Bar für schwarz gehechterte Immoflationäre, Parkbanker und auf minimal Mimik geschminkte Jetleggin-Models mit abgebrochenen Hauptschulabschluss, bestelle ich mir einen Pfeffelminztee mit Absinth und frage nach, ob<em> Kielel Sploten</em> auf <em>Patschleis</em> zu haben sind, Nordic-Sushi. Begnüge mich mit <em>Leis</em> auf<em> Tellel</em>, mit einer<em> extla Poltion Meellettich</em> und Stäbchen aus poliertem Mahaghoni-Imitat.<br />
Später im Cinemaxx mit 3-D-Brille, Maxi-Popkorn und Flaschbier derer zwei, Demolition Man. Der Film kommt total verschwommen daher, die Handlung mies und mit mir völlig unbekannten Schauspielern. Kurz bevor ich gehe, raunze ich einer Bio-ist-gut-Kind-Mutter zu, dass der Film erst ab sechszehn zugelassen ist und dass das kleine mich ständig boxende Monster bei mir unter der linken Achsel Schutz gefunden hat und kurzfristig an Schnappatmung leidet.<br />
Wieso haben die in diesen Kino-Kristall-Palästen keinen der einen an die Hand nimmt, Toilette, Popcorn, Bier, Saal 12, Demolition-Man. Und zwar genau in dieser Reihenfolge. Hab, bevor ich die Kindervorstellung verlassen musste, <em>Puh der Bär und seine Freunde</em>, mit meinem MP3 Player im Duett durch <em>Overkill </em>und <em>Bomber</em> von<em> Motörhead</em> die musikalische Dramaturgie aufgewertet. Beim Entsorgen der dreidimensionalen Sehhilfe irrtümlich meine eigene mit weggeworfen und in der Halle über den Harribo-Stand gestolpert. Demolition Man in Lakritze und Weingummi. Später meine Brille zwischen Restmüll und handwarmen Pampers wiedergefunden.<br />
Mich auf dem Weg ins Kneipenviertel spontan der Anti-Rassismus Bewegung, unterstützt durch die Dresdner Verkehrsbetrieb, nach kurzer intensiver Diskussion, angeschlossen. 60 Euro Aufnahmegebühr, Button mit „Schwarzfahrer sind auch Menschen“ an die Jacke getackert und an einem 30 minütigen Protestmarsch bis in die Neustadt teilgenommen.<br />
Im `Charles`drei Pils an dreifachen Tequilas mit einer ganzen Biotox-Zitrone als Bausatz bestellt. Konversationslos den lasziv-gelangweilten Mithockern die kalte Schulter gezeigt und über Kunstrasen meditiert. Auf der Toilette einen Abschlagspruch eines unbekannten Verfassers gelesen:“ Besser in der Kaiserin als Imperator“. Mit zwei Pils Lemon über den tieferen Sinn diskutiert, ich war dagegen. Bezahlt und ins Blue Note um dort engagiert wortlos mit mehreren Blue Curacao bei Blue Velvet Jazz und Blue Motion Brain mich blau gegrient. Später in der Droschke dem immer wiederkehrenden Taxi-Driver-Hörspiel gefolgt :“ Ich hab mehrmals geklingelt, da is keener!“  „Der Kunde sagt aber, er stehe seid zehn Minuten vor der Tür und es sei kein Taxi da&#8221;. „Dann ist das die falschen Straße wo der rumsteht“…..<br />
An der Brühlschen Terrasse versucht die Stadt mit Beleuchtung Licht in meinen Tunnelblick  zu kriegen. Der Taxifahrer verneint meine Frage ob er für 79,88 € bereit wäre mich nach Paris zu fahren. Aber immerhin kreiselt er für die Summe großflächig quer durch Dresden und zweimal an meiner Heimstatt vorbei. Auf Grund einer Umleitung muss ich auf die finale Anfahrt verzichten und unter Absingen von Cohen`s `Suzanne` erreiche ich nach einer knappen Stunde die Tür in der mein Schlüssel sich passender Weise verkantet. Noch immer ist der Aufzug defekt. Beschließe mit einem Sit-In die Reparatur des Selben  zu erzwingen. Knote mich zur Unterstreichung der Ernsthaftigkeit meines passiven Protestes der versagten senkrechten Transportmöglichkeit wegen, mit einem Strick an einem Bündel Holzlatten fest. Werde unsanft und  frierend vom Nachbarn geweckt:“ Kannste mal von Paul`s Schlitten absteigen“? Breitgezogene Milchzahn- Breilucke unter Wasser rauspressenden geröteten Kinderaugen rotzt mich an. Hab Probleme die Knoten zu lösen. Schneide das Seil mit meinem Klappmesser durch und ignoriere die verbalen Ausfälle des flüchtenden Erzeugers des kreischenden Wadenbeißers. Stelle fest, dass es im Haus viele Türen mit Anforderungsknöpfen, aber anscheinend keinen dazu passenden Aufzug mehr gibt - aber viele unausgeglichene Mitbewohne. Schleppe mich nach Oben. Beschließe einen Beschwerdebrief an den Eigentümer zu verfassen. Mit Kuli und Papier falle ich in die Couch und einen gnadenvollen Schlaf. Werde um 19:00 Uhr wach. Versuche das Aufstehen und beschließe ins Bett zu kriechen. Träume von Menschen fressenden Kieler Sprotten, festhängenden Aufzügen mit Espressobar, ohne Fahrkartenentwerter und Flatrates nach Paris. Es gibt Schlimmeres.</p>
<p>Tom Kleinrensing</p>
<p>&nbsp;</p>
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